Der Hohe Dom zu Köln

Reiseführer Köln – Weltkulturerbe, Drei Könige und Richter-Fenster

Der erste Tag – Der Hohe Dom zu Köln

Diese und viele Fragen mehr können Ihnen die Herren im rotem Talar mit dem hölzernen Spendenkästchen vor dem Bauch beantworten. Sie tragen den offiziellen Titel Domschweizer – in Anlehnung an die päpstliche Leibwache, die traditionell aus der Schweiz stammt – und antworten geduldig auf alle Fragen. In erster Linie aber tragen sie Sorge dafür, dass die Würde des Gotteshauses gewahrt bleibt.

Denn wie ein Magnet ziehen die beiden Turmspitzen Besucher zur Domplatte, wo sich zwischen Gleisen, Schnellstraße und überfüllter Fußgängerzone der Dom wie ein dunkler Riese erhebt. Kaum eine andere deutsche Stadt hat solch ein Wahrzeichen, das – als größte Kathedrale des Abendlandes geplant – allein durch seine gewaltigen Maße beeindruckt: Die Grundfläche beträgt 8.000 Quadratmeter bei einer Länge von 144 Metern und einer Breite von 86 Metern. Mindestens ebenso imponierend sind die riesigen bunten Fensterflächen, die insgesamt 10.000 Quadratmeter einnehmen.
Angefangen hat alles mit einem Raubzug: Nach der Eroberung Mailands kamen 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige als Kriegsbeute nach Köln, wodurch die Stadt zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der Christenheit aufstieg. Am 15. August 1248 wurde so der Grundstein für einen Neubau gelegt, der in der neuen gotischen Formensprache der französischen Kathedralen zum überdimensionalen Schreinsgehäuse werden und alle bisherigen Bauten übertreffen sollte.
Für diese Reliquien schuf der Goldschmied Nikolaus von Verdun den kostbaren Dreikönigenschrein (1190-1220), der heute hinter dem Choraltar steht und die Hauptattraktion im Dominnern darstellt. In Form einer dreischiffigen Basilika gestaltet ist er mit seinen imposanten Maßen der größte Reliquienschrein des Abendlandes und sein Bildprogramm umfasst die Heilsgeschichte vom Anbeginn der Zeit bis zum Weltgericht. Der Figurenschmuck besteht aus vergoldetem Kupfer, an der Stirnseite gar aus purem Gold und wird durch Filigranplatten mit (Halb-)Edelsteinen, antike Gemmen und Kameen ergänzt.
Darüber hinaus ist der Dom mit einer Fülle von bedeutenden Kunstwerken ausgestattet. Zu den Kunstwerken höchsten Ranges gehören das Gero-Kreuz (um 980), die älteste erhaltene Monumentalfigur des gekreuzigten Christus, und der Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner (um 1442), ein Meisterwerk der spätgotischen Kölner Malerschule in der Marienkapelle. Aus dem 21. Jahrhundert stammt das Fenster von Gerhard Richter im südlichen Querhaus, das mit seinen 11.263 Farbquadraten in 72 verschiedenen Farbtönen besonders bei Sonnenlicht eine Symphonie aus Licht erzeugt.

Eines sollte man auf keinen Fall verpassen: Wer eine wundervolle Aussicht über die Stadt genießen möchte, muss die 533 Stufen des Südturms bis zur Plattform in ungefähr 97 Metern Höhe erklimmen, die an der St. Petersglocke, der größten freischwingenden Glocke der Welt, von den Kölnern liebevoll Decke Pitter genannt, vorbeiführen.

Domkloster 4
Haltestelle Dom/Hbf.

Dom: Mo-Sa 6-19.30 Uhr (Nov.-Apr.)
6-21 Uhr (Mai-Okt.), So 13-16.30 Uhr

Domschatzkammer: 10-18 Uhr
Turmbesteigung: 9-16 Uhr (Nov.-Febr.)
9-17 Uhr (März, Apr., Okt.)
9-18 Uhr (Mai-Sep.)

www.domfuehrungen-koeln.de
www.koelner-dom.de
www.koelner-dommusik.de

Bauzeit: 632 Jahre

Mehr als sechs Jahrhunderte sollte es dauern, bis der Dom endlich vollendet war. Zwar konnte etwa 70 Jahre nach der Grundsteinlegung von 1248 bereits der Chor eingeweiht werden, doch dann gingen die Bauarbeiten nur noch zögerlich voran und mussten 1560 aus Geldmangel ganz eingestellt werden. Über 300 Jahre hat dann der mächtige Torso mit einem Baukran über dem unvollendeten Südturm das Bild der Stadt bestimmt. Erst 1842 wurden die Arbeiten unter preußischer Federführung wieder aufgenommen und am 15. Oktober 1880 beendet.