Romanische Kirchen

Reiseführer Köln – Romanische Kirchen – Heilige und ihre Geschichte(n)

Köln am zweiten Tag – Romanische Kirchen

In einer Stadt, die einmal so viele Kirchen wie Tage im Jahr besaß, darunter eine in der Welt einmalige Ansammlung von zwölf romanischen Gotteshäusern, gehört mindestens eine Kirchenbesichtigung zur Pflicht. Wer dann noch nicht genug hat, besucht das ungewöhnliche Museum des Erzbistums Köln, das moderne mit alter sakraler Kunst konfrontiert.

St. Ursula

Waren Sie schon einmal in einer Schreckenskammer? Wenn nicht, sollten Sie der Kirche von Kölns Stadtpatronin St. Ursula unbedingt einen Besuch abstatten. Eine barocke Kirchturmhaube mit goldener Krone weist den Weg zu der romanischen Emporenbasilika (Weihe 1135). Auf den Emporen über den Seitenschiffen wurden die Märtyrerreliquien der heiligen Ursula und ihres Gefolges aufgestellt, die man im Mittelalter auf einem römischen Gräberfeld gefunden zu haben glaubte. Wegen der Unmenge von Knochen hatte sich die Zahl der Reisenden im Volksglauben schon bald von 11 in 11.000 gewandelt und viele Wallfahrer nach Köln gelockt. Unzählige Knochen, kunstvoll zu Symbolen und Inschriften zusammengefügt, und über 100 Reliquiare in goldverzierten Nischen schmücken die Wände der Goldenen Kammer aus dem 17. Jahrhundert, die im Volksmund „Schreckenskammer“ genannt wird. Sie stellt nur einen sehenswerten Teil der reichen Innenausstattung der Kirche dar, die wie die 24 Tafeln des Ursula-Zyklus von Jan van Scheyven (1456) vom Leben der Kölner Stadtpatronin St. Ursula erzählt.
Ursulaplatz 24 (Nordstadt)
Tel. 0221/7880750
Haltestelle Breslauer Platz
Mo-Sa 10-12 Uhr, 15-17 Uhr, So 15-16.30 Uhr
gemeinden.erzbistum-koeln.de/st-agnes-koeln/kirchen/st_ursula

St. Andreas

Wie sich die Kunst des Mittelalters und der Gegenwart  in eine Kirche kombinieren lassen, zeigt die spätromanische Dominikanerkirche St. Andreas, in deren Krypta sich die Grablege des heiligen Kirchenlehrers Albertus Magnus befindet. Schon die Architektur beeindruckt durch die Stilverbindung zwischen Romanik und Gotik, durch den Kontrast von reichen, ornamentalen bauplastischen Elementen der romanischen Bauteile und der schlichten Eleganz der spätgotischen Chorhalle. Nicht minder imposant sind die modernen Fenster des Künstlers Marcus Lüpertz, die den Blick wie durch ein „Tor zum Himmel“ leiten. Im Marienchor, dessen gotische Wandmalereien aus dem Leben der Mutter Gottes erzählen, beschäftigen sich die Fenster mit dem Kirchenlehrer Albertus Magnus. Im Macchabäerchor, so genannt nach dem vergoldeten Machabäerschrein, der Episoden aus der Legende und dem Martyrium der Machabäerbrüder darstellt, greifen die Fenster das Martyrium der Macchabäer auf.
Komödienstraße 6-8 (Innenstadt)
Tel. 0221/160660
Haltestelle Dom/Hbf
Mo-Fr 7.30-18 Uhr, Sa-So 8-18 Uhr
www.sankt-andreas.de

St. Gereon

Wegen der außergewöhnlichen Raumwirkung sollten Sie auch noch eine dritte romanische Kirche besuchen, die dem heiligen Gereon gewidmet ist. Dieser war nach der mittelalterlichen Legende ein römischer Offizier, der zusammen mit 318 Legionären für seinen christlichen Glauben starb. Wenn Sie unter die mächtige Kuppel des Dekagon treten, lenken schlanke Pfeiler den Blick nach oben. Ein leuchtendes Rot mit eingestreuten goldenen Flammen, die an das Pfingstwunder erinnern, und moderne Fenster von Georg Meistermann vereinigen sich in ungewöhnlichem Farbklang mit mittelalterlicher Architektur. Diese eindrucksvolle Raumwirkung erklärt sich aus der einzigartigen Symbiose spätantiker und mittelalterlicher Architektur. Den Kern bildet ein spätantiker ovaler Kirchenbau, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts in ein Zehneck mit einer gewaltigen Kuppel umgewandelt wurde. Sie wird als großartigste Architektur zwischen den Kuppeln der Hagia Sophia in Konstantinopel (6. Jahrhundert) und des Florentiner Dom (15. Jahrhundert) gerühmt.
Gereonsdriesch 2–4
Tel. 0221/4745070
Haltestelle Christophstraße
Mo-Sa 10-18 Uhr, So 13-18 Uhr
www.stgereon.de

Reliquienfieber

Keine andere Stadt konnte im Mittelalter mit so einer großen Anzahl von prachtvollen Kirchenbauten aufwarten wie Köln. Ein Auslöser dieses Baubooms war das Reliqienfieber. Da den Reliquien – Überreste oder Hinterlassenschaften von Heiligen – eine übernatürliche Kraft und Wunderwirkung zugesprochen wurde, füllten sich die Kirchen zunehmend mit diesen Schätzen, die in kostbaren Behältnissen und goldenen Schreinen zur Schau gestellt wurden. Der Ansturm der Pilger auf die Reliquien ließ manchen Neubau entstehen – so nach der vermeintlichen Entdeckung der Ruhestätte der heiligen Ursula und ihres Gefolges oder nach dem Einzug der Gebeine der Heiligen Drei Könige im Jahr 1164.

Dat hillije Coelen (Das heilige Köln)

Köln war im Mittelalter eine überaus reiche Stadt, was sich vor allem an der regen Bautätigkeit ermessen lässt. Schon vor der Mitte des 12. Jahrhunderts verfügte sie als erste auf deutschem Boden über ein eigenes Rathaus und zwischen 1150 und 1250 verwandelte sich das Stadtgebiet in eine riesige Baustelle: Es wurden nicht nur Straßen und Plätze gepflastert, eine neue Stadtmauer und gut 100 prunkvolle Privathäuser errichtet, sondern auch fast gleichzeitig 28 Kirchen erbaut. Die Kölner Bürger hatten damit der stolzen Bezeichnung „Sancta“ (heilig) im Stadtnamen alle Ehre erwiesen.