Kunst als Lebensgefühl

Reiseführer Köln – Kunst, Museen, Leidenschaft

Der dritte Tag – Kunst als Lebensgefühl

Ob Sie wichtigste Stationen und Positionen der Moderne kennenlernen oder einen Überblick über die Entwicklung der Kölner Tafelmalerei von 1300 bis 1550 erhalten möchten, in der Kunstmetropole Köln können Sie beides.

Museum Ludwig

Fällt das Museum von außen durch seine gestufte Architekturlandschaft mit ziegelroten Wänden und Sheddächern ins Auge, so ist auch seine Sammlung außergewöhnlich und zieht Kunstliebhaber in ihren Bann. Seit der Neuordnung ist die Präsentation chronologisch aufgebaut und wird dabei ständig in Bewegung bleiben, damit die Besucher nach und nach ein möglichst breites Spektrum der Bestände zu sehen bekommen. Der Rundgang beginnt im zweiten Obergeschoss mit den Werken der klassischen Moderne, die Josef Haubrich der Stadt 1946 vermachte. Mit Otto Dix, Emil Nolde und Marc Chagall, mit Ernst Ludwigs Kirchners Halbakt mit Hut und Max Pechsteins Fränzi auf dem Sofa, mit den Werken Max Beckmanns aus dem Besitz Lilly von Schnitzlers und vielen mehr ist hier eine der bedeutendsten Sammlungen des Expressionismus ausgestellt. Nicht minder spektakulär ist die Picasso-Sammlung, die dank der Schenkungen von Peter und Irene Ludwig nach Paris und Barcelona die drittgrößte weltweit ist. Ob Harlekin (1923) oder Frau mit Artischocke (1941), aus allen Schaffensphasen des Künstlers sind Gemälde, Keramiken und Skulpturen vertreten. Russische Avantgarde, Surrealisten oder Konstruktivisten ergänzen die Ausstellung. Das Stockwerk darunter ist den abstrakten Tendenzen der 1950er- bis 1970er-Jahre von Action Painting über Minimal Art bis zum Fluxus gewidmet. Das Highlight ist die hochkarätige Pop-Art-Sammlung, in der so berühmte Werke wie Roy Lichtensteins Blondine M-Maybe – A Girl’s Picture (1965), Andy Warhols White Brillo Boxes oder Claes Oldenburgs Soft Washstand zu sehen sind. Hier ist nun auch Duane Hansons berühmte Frau mit Umhängetasche zu finden, die Besucher immer wieder vor das Rätsel ihrer Echtheit stellt. Die Treppe ins Untergeschoss führt direkt zu A. R. Pecks Monumentalgemälde Ich in Deutschland (West) (1984) und damit zur Gegenwartskunst. Mit den Installationen Himmelsbuch des Chinesen Xu Bing und Regatta des Kubaners Kcho sind hier erstmals auch die asiatische und lateinamerikanische Kunst einbezogen. Unbedingt einen Besuch wert ist die Sammlung Fotografie, die international als eine der bedeutendsten gilt. Sie umfasst frühe Daguerreotypien, einzigartige Inkunabeln aus dem 19. Jahrhundert, bedeutende künstlerische Fotografien, Alben, Mappenwerke, aber auch umfangreiche Materialien zur Kulturgeschichte des Mediums.

Heinrich-Böll-Platz
Tel. 0221/22126165
Haltestelle Dom/Hbf.
Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. Do im Monat 10-22 Uhr
www.museum-ludwig.de

Wallraf-Richartz-Museum

Der Kölner Architekt Oswald M. Ungers entwarf den streng kubischen Bau, der sich mit seiner einfachen geometrischen Grundordnung harmonisch in die historische Bebauung der Umgebung eingliedert. Anhand von Werken der Tafelmalerei aus sieben Jahrhunderten, von den Anfängen im Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert, werden dem Betrachter auf drei Stockwerken Einblicke in die verschiedenen Epochen und Kunstlandschaften vermittelt. Zwei Engel öffnen einen kostbaren Brokatvorhang und gewähren einen Blick auf die Gottesmutter, die – umgeben von musizierenden Engeln – im Paradies weilt. Stefan Lochners Andachtsbild Madonna in der Rosenlaube (um 1450) – auch als „kölsche Mona Lisa“ bekannt – ist nur eines von vielen Meisterwerken, die in der Gemäldegalerie mit der weltweit umfangreichsten Sammlung mittelalterlicher Malerei im ersten Stock betrachtet werden können. Jusepe de Riberas Paulus Eremita (1647), Rembrandts berühmtes Selbstbildnis (um 1668) und François Bouchers Ruhendes Mädchen (1751) seien stellvertretend für die Kunst des Barocks im Stockwerk darüber genannt. Berühmte Künstler wie Rubens und Rembrandt, Bordone und Tintoretto, Murillo und Ribera vertreten die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts. Von der Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts bis zum Aufbruch zur Moderne führt der Rundgang im dritten Geschoss. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Impressionismus: Ob August Renoirs Paar im Grünen (um 1868), Vincent van Goghs Zugbrücke (1888) oder Claude Monets Seerosen (1915/17), dank der Fondation Corboud können Besucher hier den Impressionismus von seinen Wurzeln in Barbizon über die kubischen Formen eines Paul Cézanne bis zu den pointillistischen Meisterwerken von Paul Signac verfolgen.

Obenmarspforten
Tel. 0221/22121119
Haltestelle Dom/Hbf.
Di-So 10-18 Uhr, 1.+3. Do 10-22 Uhr
www.wallraf.museum