Das Regierungsviertel

Reiseführer Berlin – Reichstag und Kanzleramt

Berlin am 1. Tag – Im Band des Bundes

Direkt an das Zentrum des preußischen Berlins schließt sich das neue Regierungs- und Diplomatenviertel an, das seit der Wiedervereinigung rund um den Reichstag entstanden ist. Vom Reichstag, dem heutigen Sitz des Deutschen Bundestages, führt der Spaziergang vorbei am Kanzleramt entlang des Tiergartens zur alten und neuen Mitte Berlins, dem Potsdamer Platz.

Der Deutsche Bundestag

Wundern Sie sich nicht über die langen Schlangen, die täglich vor dem Reichstagsgebäude stehen. Die Besucher im Sitz des Deutschen Bundestages wollen meist nur eines, nämlich von Norman Fosters gläserner Kuppel aus einen Blick in den darunterliegenden Plenarsaal werfen und die Aussicht über die Stadt genießen.

Dabei ist das Gebäude selbst, das Paul Wallot 1894 für das Parlament des Deutschen Reiches vollendete, wie wenige andere Häuser Spiegelbild der deutschen Geschichte. „Dem deutschen Volke“, so die Inschrift über dem Portal, diente die Institution jedoch selten genug und so stehen die Lettern auch erst seit 1916 dort. Nur als Reichskanzler Scheidemann 1918 hier vom Balkon die Republik ausrief, herrschte für kurze Zeit eine demokratische Aufbruchstimmung. Das vorläufige Ende seiner Bestimmung kam dann mit dem Brand am 27. Februar 1933, den die Nazis als Vorwand für ihr Ermächtigungsgesetz nutzten.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde der Reichstag in den 1960er-Jahren in vereinfachter Form ohne die 1945 gesprengte Kuppel wieder aufgebaut und führte ein Schattendasein. Mit der Wiedervereinigung erhielt er endlich seine eigentliche Bestimmung, als am 20. Dezember 1990 der erste gesamtdeutsche Bundestag hier zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentrat. Seit dem Umbau durch Sir Norman Foster ist die 23 Meter hohe Kuppel aus Glas und Stahl eines der Wahrzeichen der Stadt.

 

Platz der Republik 1 (Tiergarten)
Tel. 030/22732152

Kuppel: 8–24 Uhr (letzter Einlass 22 Uhr)

Voranmeldung erforderlich unter www.bundestag.de
oder in der Serviceaußenstelle des Besucherdienstes an der südlichen Seite der Scheidemannstraße (8–20 Uhr)

Das Bundeskanzleramt

Eröffnet wird das Band des Bundes durch das Domizil der Bundeskanzlerin mit Blick auf das Reichstagsgebäude. Mittelpunkt des Komplexes ist das neungeschossige Leitungsgebäude, dessen gläserne Fassaden durch hohe weiße Stelen strukturiert werden. Wegen des Halbkreises im oberen Teil der Mittelbaufassade wird das Gebäude auch „Bundeswaschmaschine“ genannt. Seitlich schließen sich lang gestreckte niedrigere Büroflügel an, die den Ehrenhof mit der monumentalen eisernen Skulptur „Berlin“ des baskischen Künstlers Eduardo Chillida umschließen.

Jakob-Kaiser-Haus

Die Arbeitsräume des Parlaments liegen in einem Gebäudekomplex, der aus acht Häusern besteht, vorhandene Architektur wie das Reichstagspräsidentenpalais mit einbezieht und die historische Parzellenstruktur aufgreift. Besonders reizvoll sind die unterschiedlichen Innenhöfe, die überdacht oder offen, mit einem kleinen See ausgestattet oder von Künstlern wie dem israelischen Bildhauer Dani Karavan gestaltet sind. Namensgeber ist der Zentrums- und spätere CDU-Politiker und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Das Holocaustdenkmal

Ob es überhaupt möglich ist, für Tragödien wie den Holocaust eine künstlerische Sprache zu entwickeln, mag jeder selbst entscheiden. Peter Eisenmans unendliches Stelenfeld, das den Betrachter mit einem wogenden Meer aus stehenden und liegenden Quadern in eine ortlose Stille versenkt, hat jedenfalls Maßstäbe für eine Kultur der Erinnerung gesetzt. Im unterirdischen „Ort der Information“ sind darüber hinaus die Namen der rund vier Millionen ermordeten Juden verzeichnet und dort gibt es viele Informationen über die Opfer und die Stätten des Grauens.


Cora-Berliner-Straße 1
Di–So 10–20 Uhr (Apr.–Sept.)
Di–So 10–19 Uhr (Okt.–März)
www.stiftung-denkmal.de

Band des Bundes

Symbolträchtiger kann Architektur kaum sein: An der Stelle des alten Regierungsviertels, von dem außer Reichstag und Schweizer Botschaft nach dem Zweiten Weltkrieg nichts mehr übrig geblieben war, schafft das Band des Bundes einen Brückenschlag über den alten Todesstreifen hinweg zwischen Ost und West und vereint zugleich die Legislative mit der Exekutive.

Die Siegessäule

Von Weitem sichtbar ragt die Siegessäule mit der Siegesgöttin Victoria im Zentrum des Großen Sterns empor, von dem die fünf Durchfahrtsstraßen im Tiergarten ausstrahlen. Nach den Siegen in den Einigungskriegen hatte Kaiser Wilhelm I. das Monument 1873 vor dem Reichstag aufstellen lassen. 1938 wurde es von den Nazis an den jetzigen Standort versetzt. 285 Stufen muss man im Innern der Säule erklimmen – bis zur Gold-Else, wie die Victoria wegen ihrer goldenen Färbung von den Berlinern genannt wird. Nicht ganz so gut wie Otto Sander, der in Wim Wenders „Himmel über Berlin“ als gefallener Engel auf ihren Schultern saß, kann man auf der Aussichtsplattform in 48 Metern Höhe einen wunderschönen Blick über Berlin genießen.

Straße des 17. Juni

9.30-17.30 Uhr (Nov.–März),

9.30-18.30 Uhr (Apr.–Okt.)

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

Durch eine Brücke über die Spree ist das Paul-Löbe-Haus mit dem Bau verbunden, der den Namen der deutschen Politikerin und Frauenrechtlerin trägt und die Parlamentsbibliothek beherbergt. Eine sich nach oben weitende Freitreppe führt in die Haupthalle. Auffallend ist die große runde Öffnung in der Betonfassade, hinter der sich der Sitzungssaal für öffentliche Anhörungen befindet.