Bummeln durch Mitte

Reiseführer Berlin – Gendarmenmarkt, Unter den Linden und Brandenburger Tor

Stadtbummel – Im Herzen Berlins

Beim Bummel vom Gendarmenmarkt durch das Herz der Stadt über Berlins älteste Flaniermeile „Unter den Linden“ begegnen Ihnen geschichtsträchtige Bauten.

Unter den Linden

An der Schinkel’schen Schlossbrücke mit ihren Skulpturen aus weißem Carrara-Marmor und gusseisernem Geländer haben Sie Berlins berühmtesten Boulevard erreicht: Unter den Linden. Wo einst ein Reitweg vom Schloss zum Tiergarten führte, hatte Kurfürst Friedrich Wilhelm 1647 je 1.000 Linden und Nussbäume pflanzen lassen. Allein die Linden blieben und gaben der Straße ihren Namen, die sich ein knappes Jahrhundert später nach der Anlage des Pariser Platzes zur Prachtstraße mit repräsentativen Bauten entwickelte. Die Linden, die heute dort stehen, wirken weniger prächtig. Sie stammen erst aus der Nachkriegszeit, denn die Nazis hatten für ihre Aufmärsche alle Bäume abholzen und die Straße verbreitern lassen.

Deutsches Historisches Museum

Nur ein paar Schritte weiter liegt das älteste Gebäude des Boulevards. Minerva, die römische Göttin der Weisheit und der Kriegskunst, gibt vom Giebelfeld herab zu erkennen, was sich früher einmal hinter den Mauern dieses prachtvollen Barockbaus verbarg. Im Zeughaus war die königliche Waffenkammer untergebracht und so erinnern im Innenhof eindrucksvoll Masken sterbender Krieger an die Schrecken des Krieges. Heute wird hier in Bildern und Zeugnissen deutsche Geschichte vermittelt und finden in der modernen Ausstellungshalle von I. M. Pei Wechselausstellungen statt.
Unter den Linden 2 (Mitte)
Tel. 030/2030444
10–18 Uhr
www.dhm.de

Gendarmenmarkt

Der wohl schönste Platz Berlins bietet etwas für (fast) alle Sinne: ein gelungenes Architekturensemble aus Konzerthaus, Deutschem und Französischem Dom, klassische Musik und edle Gastronomie. Angelegt wurde er vor mehr als 300 Jahren als Marktplatz und erhielt später seinen Namen durch die Gens d’armes, einem königlichen Reiterregiment. In dem Viertel ließen sich viele aus Frankreich geflohene Hugenotten nieder, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts an der Nordseite des Platzes eine eigene Kirche errichteten. Als Pendant wurde gleichzeitig für die preußischen Protestanten ein zweites Gotteshaus erbaut. Beide Bauten werden von massiven Kuppeln beherrscht, die ihnen – abgeleitet vom französischen Wort für Kuppel (dôme) – die Bezeichnung Französischer und Deutscher Dom gaben. Einen wunderschönen Blick auf das Treiben am Gendarmenmarkt hat man von der Kuppel des Französischen Doms, der noch immer Hauptkirche der hugenottischen Gemeinde ist und darüber hinaus das Hugenottenmuseum beherbergt. Der Deutsche Dom ist heute Ort einer Ausstellung des Bundestages und zeigt die historische Entwicklung des liberalen parlamentarischen Systems in Deutschland.

Französischer Dom: 10–19 Uhr (Apr.–Okt.), 10.30–18.30 Uhr (Nov.–März)
www.franzoesischer-dom.de
Deutscher Dom: 10–19 Uhr (Mai–Sept.), 10–18 Uhr (Okt.–März), Eintritt frei
www.bundestag.de/kulturundgeschichte/ausstellungen/wege

Das Schiller-Denkmal verweist auf die alte Bedeutung des Gebäudes in der Mitte des Platzes: In Schinkels Schauspielhaus (1818–1821) standen einst die Größen der deutschen Theaterwelt auf der Bühne. Heute werden hier vorwiegend Konzerte aufgeführt. Daher der neue Name: Konzerthaus
(www.konzerthaus.de)

Humboldt-Universität

Zwischen all der historischen Architektur tummelt sich die studentische Szene: Büchertische am Eingang weisen den Weg in die drittgrößte hauptstädtische Universität. Geistesgrößen wie Heine, Hegel, Einstein oder Max Planck haben hier studiert. Der Rechtsgelehrte Wilhelm von Humboldt (1767–1835) war Gründungsvater der ersten Berliner Universität, die 1810 mit 247 Studenten das ehemalige Palais des Bruders von Friedrich dem Großen bezog.
Unter den Linden 6
www.hu-berlin.de

Bebelplatz

„DORT, WO MAN BÜCHER VERBRENNT, ...

... verbrennt man am Ende die Menschen” (Heinrich Heine). Wer durch die Glasscheibe in der Mitte des Bebelplatzes schaut, blickt auf eine unterirdische Bibliothek mit leeren Regalen. Das Denkmal erinnert an einen der schwärzesten Momente deutscher Geschichte: Am 10. Mai 1933 inszenierten die Nationalsozialisten hier die Bücherverbrennung, bei der rund 20.000 Werke missliebiger Autoren wie Heinrich und Thomas Mann, Erich Kästner, Stefan Zweig, Heinrich Heine, Robert Musil oder Lion Feuchtwanger in die Flammen geworfen wurden. [mehr]

Deutsche Bank Kunsthalle

Liebhaber der Gegenwartskunst sollten einen Abstecher in das Stammhaus der Deutschen Bank machen. Deren Ausstellungshalle versteht sich als Ort für Entdeckungen und präsentiert jedes Jahr drei bis vier Ausstellungen, die von Künstlern und internationalen Gastkuratoren organisiert werden. So macht die KunstHalle die Sammlung Deutsche Bank immer wieder neu erfahrbar, ehrt den „Künstler des Jahres“ der Deutschen Bank mit einer großen Einzelausstellung und bietet ein Forum für junge Talente der internationalen Kunstszene in Berlin.

Unter den Linden 13/15
Tel. 030/2020930
10–20 Uhr
www.deutsche-bank-kunsthalle.de

Brandenburger Tor

Krönender Abschluss des Spaziergangs über den Boulevard Unter den Linden ist das Brandenburger Tor. Fast 30 Jahre lang war das vermauerte Tor ein weltbekanntes Symbol für das geteilte Deutschland und seine Öffnung im Dezember 1989 wurde zum Sinnbild der Wiedervereinigung. Mit seinen fünf Durchgängen und der mächtigen Quadriga bildet das Stadttor, das Langhans in Anlehnung an die Propyläen auf der Athener Akropolis schuf, den monumentalen Abschluss des Prachtboulevards Unter den Linden. Seit seiner Eröffnung 1791 war es Schauplatz vieler historischer Ereignisse: Napoleon ließ bei seinem triumphalen Einzug in Berlin 1806 die Quadriga als Kriegsbeute nach Paris entführen, von wo sie acht Jahre später im Zuge der Befreiungskriege wieder zurückkehrte. 1933 inszenierten die Nazis am Tor ihren Fackelzug, hier wurden 1945 die sowjetische Flagge gehisst und am 17. Juni 1953 der Arbeiteraufstand blutig niedergeschlagen.

Hotel Adlon

Wer kennt es nicht – das legendäre Adlon. Eine verschwenderische Einrichtung aus Marmor, schwerer Seide und Leder findet man an der ersten Adresse der Stadt nicht erst seit dem Wiederaufbau. Luxus pur zeichnete schon das alte Grandhotel aus, das nach 1907 schnell zum wichtigsten Treffpunkt der Prominenz wurde. Der Kaiser ließ sich zum Baden vom Stadtschloss herüberfahren und die Rockefellers, der Zar von Russland, indische Maharadschas, Greta Garbo und Charlie Chaplin logierten hier.
www.kempinski.com