Hamburg vom Wasser aus

Reiseführer Hamburg – St. Pauli, Landungsbrücken und Fischmarkt

Wellen, der Geruch von Salz, Brackwasser und der weiten Welt, Krane, Containerschiffe, Ozeanriesen und kleine Barkassen gehören zum einzigartigen Erlebnis rum um Hamburgs Hafen.

Am dritten Tag – Hamburg vom Wasser aus

Landungsbrücken

Ausgangspunkt für jede Hafenrundfahrt sind die Landungsbrücken, auf denen stets ein heftiges Gedränge herrscht. Früher einmal stellten sie für viele Menschen, die nach Übersee aufbrachen, das Tor zur Neuen Welt dar. Denn schon 1839 war hier ein Schiffsanleger für Dampfer errichtet worden, den man Anfang des 20. Jahrhunderts durch einen Anleger aus schwimmenden Pontons mit beweglichen Brücken zum Festland ersetzte. Werfen Sie einen Blick auf das zugehörige Abfertigungsgebäude mit den schönen Kuppeln und Türmen sowie auf den Pegelturm, der neben der Uhrzeit auch über den Stand der Gezeiten informiert.

Alter Elbtunnel

Der Kuppelbau mit grünem Kupferdach bezeichnet den Eingang zum Alten Elbtunnel, der bei seiner Eröffnung 1911 eine technische Sensation darstellte. Er unterquert die Norderelbe mit zwei Röhren 24 Meter unter dem Wasserspiegel auf einer Länge von 426,5 Meter und verbindet die Landungsbrücken mit Steinwerder. Damals war der Tunnel die Lösung, um täglich 40.000 Arbeitern aus den Werften und Hafenbetrieben am Südufer die Elbüberquerung ohne Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs zu ermöglichen.

Wenn Sie Zeit haben, fahren Sie mit dem Fahrstuhl in den Alten Elbtunnel und gehen zu Fuß durch die Tunnelröhren mit ihren gefliesten Wänden und den schönen Majolikareliefs. Belohnt werden Sie mit einem unglaublichen Blick vom Steinwerder Ufer auf die Stadt.

Fischmarkt

Zum Abschluss lohnt ein Abstecher über die St. Pauli Hafenstraße und die Große Elbstraße in Richtung Fischmarkt, wo sich in umgebauten Speichern und Fabriken trendige Geschäfte wie das Kaufhaus Stilwerk mit seinen diversen Designerläden, schicke Restaurants und Szenelokale niedergelassen haben. Hauptattraktion ist die restaurierte Altonaer Fischauktionshalle aus dem späten 19. Jahrhundert. Der mit Backsteinen verkleidete Eisenskelettbau ist wie römische Markthallen in Form einer dreischiffigen Basilika mit Vierungskuppel angelegt und war von der damals freien Stadt Altona in unmittelbarer Nachbarschaft der Hamburger Fischhalle errichtet worden. Denn beide Städte wollten zu der Zeit, als die ersten Dampfschiffe große Menge Fisch abzuladen begannen, vom Umsatz des Fischhandels profitieren.

Hafenstraße

In den 1980er-Jahren hat die Hafenstraße Berühmtheit erlangt, als junge Leute in die leer stehenden Häuser Nr. 116–126 einzogen und sich dem Abriss gewaltsam widersetzten. Die Hausbesetzungen spalteten die Hamburger Bürgerschaft und führten eine innenpolitische Krise herbei, bis man sich nach immerhin 15 Jahren Auseinandersetzung auf eine Renovierung und einen Pachtvertrag für die Bewohner einigte. Und so wirken die bunt bemalten Häuser am Hang heute schon fast idyllisch. Sie sind mittlerweile Eigentum einer Genossenschaft, in der das Plenum, eine Versammlung aus Bewohnern und Anwohnern, die Entscheidungen trifft.

Hafenrundfahrt

Wer durch das faszinierende Labyrinth der Becken und Kais, Docks und Speicher fahren, Hafenbecken mit Ozeanriesen, Kanäle, Containerterminals und Werftanlagen sehen und die Arbeitswelt eines Welthafens und dessen perfekt organisiertes, logistisches Netzwerk kennenlernen möchte, hat zwei Möglichkeiten. Nach Auffassung von Seeratten bieten nur die kleinen Barkassen das wahre Hafenfeeling, denn dort sitzen Sie direkt über der Wasserkante. Die Kapitäne, in der Regel Hamburger Originale, führen mit netten Geschichten und lustigen Sprüchen in die Welt des Hafens ein und fahren auch durch die kleinen Fleete der Speicherstadt. Wer das weiter entfernte Containerterminal Waltershof sehen möchte, geht an Bord eines großen Fahrgastschiffes, wo man vom Restaurant oder von der Sonnenterrasse des Oberdecks aus das Tor zur Welt entdecken kann.

St. Pauli

Jetzt geht es weiter in das wohl bekannteste Hamburger Viertel, das als sündigste Meile der Welt berühmt und berüchtigt ist. Doch wer glaubt, St. Pauli würde nur aus Bordellen, Sexshops, Tattooshops und anrüchigen Kneipen bestehen, der irrt. Seine Geschichte als Vergnügungsviertel der Seeleute hat der Kiez ebenso hinter sich gelassen wie die als berüchtigte Sexmeile, Touristenfalle und Tummelplatz für Luden, Paten und Gangs jedweder Art. Sein Schmuddelimage hat St. Pauli zwar noch immer nicht ganz verloren, es gilt aber inzwischen als Szeneviertel, in dem neben den unterschiedlichsten Amüsierbetrieben auch viele Kneipen, Theater, Rockclubs und Musicalspielstätten zu finden sind. Und abseits von Reeperbahn und Großer Freiheit ist St. Pauli ein (fast) ganz normales Viertel mit Wohnhäusern, Büros, Kirchen und Schulen. So werden Sie beim Bummel durch die Nebenstraßen schrille und laute Ecken, skurrile Museen, echte Originale wie wunderschön restaurierte und unsanierte Altbauten und kleine Läden entdecken.